Moderne Plage: Enorme Schäden durch Plagiate

Bekleidung, Schuhe und Modeaccessoires, aber auch Medikamente, Spielzeug und elektrische Geräte – kaum eine Marke ist vor Fälschungen sicher.

Tinpo, Tingo, Tampo, Trump – in China gibt es etliche Imitationen der deutschen Traditionsmarke Tempo. Bereits vor zehn Jahren stellte das Museum Plagiarius in Solingen sage und schreibe 139 Tempo-Plagiate aus. Die Aktion Plagiarius e.V. prangert seit 1977 die Verletzung geistigen Eigentums an und vergibt jährlich den Negativpreis „Plagiarius“ an Hersteller und Händler besonders dreister Nachahmungen. Erklärtes Ziel ist es, die unlauteren Geschäftspraktiken von Markenfälschern und Plagiatoren öffentlich zu machen. Auch in diesem Jahr können betroffene Unternehmen wieder ihre Originalprodukte sowie vermeintliche Nachahmungen einreichen und den Plagiator (Hersteller und/oder Händler) als Preisträger des Negativpreises vorschlagen. Einsendeschluss für den Plagiarius-Wettbewerb 2019 ist der 30. November 2018.

Markenverletzungen öffentlich zu machen ist heute notwendiger denn je. Die europäischen Zollbehörden haben im Jahr 2016 mehr als 41 Millionen nachgeahmte und gefälschte Waren in einem Gesamtwert von über 670 Millionen Euro an den EU-Außengrenzen beschlagnahmt. Produkte des täglichen Gebrauchs, die eine Gefahr für Gesundheit und Sicherheit darstellen könnten, etwa Lebensmittel und Getränke, Arzneimittel, Spielzeug und elektrische Haushaltsgeräte, machten zusammen über ein Drittel der beschlagnahmten Waren aus.

Deutschland besonders stark betroffen

Der deutsche Zoll zog laut Zollstatistik 2017 gefälschte Produkte in einem Gesamtwert von 196 Millionen Euro aus dem Verkehr – knapp 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein wesentlicher Treiber ist der weltweite Online-Handel – längst werden auch hochpreisige Artikel des Luxussegments über das Internet verkauft. Weit über 60 Prozent aller aufgegriffenen Produkte kamen wie in den vergangenen Jahren aus China und Hongkong. Bei den meisten Fälschungen handelte es sich auch 2017 wieder um Markenrechtsverletzungen, gefolgt von Verletzungen von Designrechten.

Eine Branche, die trotz intensiver Abwehrbemühungen besonders unter der Produkt- und Markenpiraterie sowie Know-how-Diebstahl leidet, ist der Maschinenbau. 71 Prozent der Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland sind davon betroffen, so die Studie „Produktpiraterie 2018“ des Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Der geschätzte Schaden beläuft sich dabei auf 7,3 Milliarden Euro jährlich. Umgerechnet in Arbeitsplätze entspricht dies laut VDMA knapp 33.000 Stellen. „Neben Umsatzverlust und Verlust von Arbeitsplätzen sind in den betroffenen Unternehmen darüber hinaus monetär schwer zu bewertende Folgen festzustellen, zum Beispiel Imageverlust, Verlust des Marktvorsprungs oder ungerechtfertigte Regressanforderungen“, so Steffen Zimmermann, Leiter VDMA Competence Center Industrial Security.

Volkswirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe

Der durch Markenpiraterie verursachte volkswirtschaftliche Gesamtschaden ist hoch, denn längst nicht jede Fälschung wird rechtzeitig entdeckt und sichergestellt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) schätzt, dass deutschen Unternehmen durch Produkt- und Markenpiraterie Schäden zwischen 20 bis 30 Milliarden Euro entstehen. Manchmal bewegen sich Plagiate in einer markenrechtlichen Grauzone, wie im Falle der chinesischen Smartphone-Marke Xiaomi. Die Produkte ähneln dem Apple-Sortiment und lehnen sich zudem auch an die i-Namensstrategie an (Mi 8, Mi Notebook Air, Mi TV etc.).

 Plagiarius-Wettbewerb 2019:

https://www.plagiarius.com/index.php?ID=25

Einsendeschluss: 30. November 2018

 (Foto: Aktion Plagiarius e. V.)

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